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Wer war Harry Schmidt - Persönliche Erinnerungen?

Harry Schmidt `s Pionierabeit in der Entwicklung der Schildescher Gesamtschule - eine Würdigung.

Harry SchmidtNach Dr. Otto Hesse, dem ersten Schulleiter, ist mit Harry Schmidt ein weiteres Gründungsmitglied der Schildescher Gesamtschule von uns gegangen. Er hatte sich in den letzten Jahren zurückgezogen und starb im Alter von 86 Jahren, von der Schul-Öffentlichkeit fast unbemerkt, und wurde in aller Stille beigesetzt. Einige alte Weggefährten - alle pensionierte Kolleginnen und Kollegen - trafen sich zu einer eindrucksvollen Einsegnungsfeier. Der Regierungspräsident hatte einen repräsentativen Kranz geschickt, um seinen Respekt für Harry´s Lebensleistung auszudrücken.

 

Es ist an der Zeit, Harry Schmidts Wirken für die Gesamtschulentwicklung zu würdigen, ohne in die Form eines Nachrufes oder etwa Nostalgie zu verfallen. Die erste Bielefelder Gesamtschule, sie hieß damals noch Gesamtschule Bielefeld (GSBI), war eine der Urzellen der Umsetzung der Bildungsreform in NRW. Im Unterschied zu den Reformschulen - Laborschule und Oberstufen-Kolleg - war sie als Regelschule konzipiert. Die Gründungsmitglieder verstanden sich als Gesellschaftsreformer, ständig bis in die achtziger Jahre bekämpft von der konservativen Politik und Presse. Nach der Begrenzung des Ausbaus der Gesamtschulen lag nun der Akzent auf der „Inneren Reform“. Ein kreativer Pioniergeist verband die unterschiedlichsten Charaktere der ersten knapp dreißig Lehrerinnen und Lehrer. Sie waren aus den verschiedensten Schulformen und Universitäten gekommen, hatten keine Vorbilder und waren nun konfrontiert mit völlig neuartigen Aufgaben, für die sie nicht ausgebildet waren. In der Schildescher „Urzelle“, der Stiftsschule, ging in der ganzen Woche das Licht nicht aus. Informelle und reguläre Konferenzen entwarfen die Grundzüge einer prinzipiell neuen Schule. Die Architektur sollte nach demokratischer Öffentlichkeit orientiert sein, mit dem „Forum“ als Zentrum. Die einzelnen Gebäudezüge entsprachen neuen Lernbereichen. Mit dieser Konzeption wollte man die traditionelle Fächerisolierung überwinden. Das gesamte Gebäude entsprach den Notwendigkeiten eines Ganztagsbetriebes. Die dazu notwendige Ganztagspädagogik wurde Schritt für Schritt entwickelt und ist noch heute ein Vorbild gegenüber vielen modernen Ganztagskonzepten, die lediglich den Schulalltag um eine „Betreuung“ erweitern. Harry Schmidt erkannte früh die einmaligen Möglichkeiten des Gestaltungsraumes und bildete innerhalb der kreativen und divergierenden Strömungen den ruhenden Pol. Gegenüber dem visionären Reformpädagogen Dr.Otto Hesse war er eher der Pragmatiker mit dem Blick für das Machbare.

 

Mit dem Beginn der „Inneren Reform“ galt es nun, neue Lehrpläne zu entwerfen. Die Integration der einzelnen Schulfächer in die neuen Lernbereiche war auch Neuland. Harry Schmidt war zuständig für den naturwissenschaftlichen Bereich, eingeschlossen Mathematik und das neue Fach Informatik. Zusammen mit Klaus Kusenberg, dem späteren Schulleiter, wurde er Vorreiter für die Einführung der damals neuen Taschenrechner. Gleichzeitig leisteten sie Pionierarbeit in dem Aufgabenbereich, den man heute Digitalisierung der Schulverwaltung nennt. Auch das Kultusministerium interessierte sich für die Fortschritte auf diesem Gebiet. Diese Phase hatte auch der aktuelle Schulleiter, Dr. Lutz van Spankeren, noch als Schüler miterlebt. Sein Klassenlehrer war Harry Schmidt.

 

Als Stufenleiter für die Jahrgänge 9 und 10 musste Harry Schmidt sich einmal um den Übergang in die neu aufzubauende Oberstufe kümmern, die – getrennt von der Sekundarstufe I - eine gymnasiale Oberstufe war. Zum anderen galt es, den Übergang zu den Berufsschulen und dem beruflichen Ausbildungsbereich der Lehrstellen zu ebnen. Hier galt es, die Widerstände der Konservativen zu überwinden. Harry Schmidt setzte sich für die Einführung von Berufspraktika ein, einmal  bezogen auf die Praxis der Betriebe, zum  anderen orientiert an den Neigungen der künftigen Schulabgänger. Diese Praktika wurden vor- und nachbereitet wie Klassenfahrten, ein Zeitraum, der heute nicht mehr zur Verfügung steht. Mit diesem Praxisbezug wurde in Bielefeld die Gesamtschule Vorreiter. Heute ist  diese Form der Berufsorientierung  auch in anderen Schulformen gängige Praxis.
In den gleichen Zusammenhang gehört auch die Einrichtung der Wahlpflicht-Fächer  nach dem 7. und 9. Jahrgang. Auch hier leistete Harry Schmidt zusammen mit engagierten Lehrern Pionierarbeit, den mathematischen, naturwissenschaftlichen und Informatikbereich  in den neuen Fächerkanon zu platzieren.

 

In dieser Gestaltungsphase wird die Grundlinie seines Wirkens deutlich: Harry Schmidt bemühte sich darum, eine moderne Ganztagsschule zu etablieren. Er hatte früh erkannt, dass neben der gesellschaftsreformerischen Euphorie auch die Anpassung an die Erfordernisse eines modernen Industriestaates gehört. Diese Zielrichtung ist inzwischen im europäischen Kontext selbstverständlicher Standard. Die Schildescher Gesamtschule hatte in diese Richtung Pionierabeit geleistet und wurde insofern Maßstab für folgende Gesamtschulen in Bielefeld und OWL. Auch die Akzeptanz der Eltern und Betriebe hat die Schildescher Gesamtschule zu einer klassischen Stadtteilschule werden lassen. Die übergroßen Anmeldezahlen waren der Anlass, neue Gesamtschulen zu bauen. Heute kann man auf über 40 Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken. Unsere Schüler und Schülerinnen wurden neben normalen bürgerlichen Berufen auch  Spitzensportler, Unternehmer, Gewerkschaftler, führende Korrespondenten beim Fernsehen, weltweit beachtete Karikaturisten, Stadtfotographen, Professoren, Politiker, Bundessieger in „Jugend forscht“, Schulleiter – und reihenweise Lehrer.
Die Erinnerung an diese Frühphase der Bielefelder Gesamtschule ist verknüpft mit dem Wirkungskreis von Harry Schmidt, der seine gesamte   Persönlichkeit und menschliche Wärme in die Schulentwicklung einbrachte. Insofern bleibt Harry Schmidt in der Erinnerung lebendig, auch als Bestandteil der Schulgeschichte.

 

Verfasst von:
Annegret Preker-Franke, Gesamtschullehrerin von 1972 bis 2011.
Arndt Klein, Gesamtschullehrer von 1976 bis 2006.



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