Site-Label :: Martin-Niemöller Gesamtschule Bielefeld SchildescheSite-Label :: Martin-Niemöller Gesamtschule Bielefeld Schildesche Auszeichnungen der Martin-Niemöller-Gesamtschule Siegel :: Siegel: Comenius - Partnerschule Siegel :: Siegel: Schule ohne Rassismus
Aktuelles Schulinfo Konzept Schulleben Unterricht Jahrgangspartitur Service Förderverein Intern
Hilfe Kontakt Impressum
Sie sind hier: » Startseite » FĂ€cher

FĂ€cher

top

Guter Sportunterricht

Zehn Merkmale guten Sportunterrichts
(von Johannes Reckermann)

Was ist guter Sportunterricht? Erkennt man ihn daran, dass sich niemand verletzt, dass sich alle bewegen, dass Spaß an der Bewegung zu sehen ist, dass alle mitmachen und in freudiger Erwartung vor der Sporthalle stehen?
Es ist nicht leicht, umfassende Merkmale guten Sportunterrichts festzulegen und es gelingt schnell, immer neue Aspekte zu entdecken, die auch fĂŒr die Gestaltung eines guten Sportunterrichts wichtig sind. Auf dieser Seite soll der Versuch unternommen werden, zehn Merkmale guten Sportunterrichts aufzuzeigen. Dabei beziehe ich mich auf einen Aufsatz von Hilbert Meyer („Empirischen Befunde und didaktischen RatschlĂ€ge“, in: PĂ€dagogik, 10/03), in dem er auf der Basis verschiedener Studien die kognitiven Lernerfolge unseres Schulsystems untersucht.
Dabei bleiben jedoch nach eigenen Angaben Faktoren der Sach- und Sozialkompetenz weitgehend unberĂŒcksichtigt. Gerade im Sportunterricht spielen aber diese Faktoren (zusammengefasst als Lehrerpersönlichkeit) eine große Rolle und damit soll dieses Merkmal auch explizit mit einbezogen werden.

Die zehn Merkmale guten Sportunterrichts sind demnach:


Diese zehn Merkmale werden im Folgenden nach einem bestimmten Schema bearbeitet. Am Anfang steht immer eine Definition, gefolgt von Indikatoren, mit denen die Merkmale erkannt werden können. Den Abschluss bilden jeweils RatschlÀge aus der langjÀhrigen Unterrichtspraxis.

top

1. Die positive Lehrerpersönlichkeit


Definition

Eine Lehrerpersönlichkeit ist dann positiv, wenn sie ein hohes Maß an Sach- und Sozialkompetenz ausstrahlt. Diese AuthentizitĂ€t wirkt sich motivierend auf alle SchĂŒlerInnen aus und fördert sowohl den gesamten Lernprozess als auch die Freude am sportlichen Handeln.


Indikatoren

    Die Lehrperson
  • verfĂŒgt ĂŒber ein großes Repertoire an FĂ€higkeiten und Kenntnissen,
  • nimmt ihre Lerngruppen ernst, ohne den Humor zu vernachlĂ€ssigen,
  • ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst.

RatschlÀge

  • Kleiden Sie sich dem Sportunterricht entsprechend und legen Sie Wert auf PĂŒnktlichkeit.
  • Reden Sie intensiv und empathisch mit den Lerngruppen.
  • Nutzen Sie auch informelle GesprĂ€che.
  • Greifen Sie VorschlĂ€ge der Lerngruppe konstruktiv auf.
  • Sie können nicht auf allen Gebieten fit sein, aber: Bilden Sie sich stĂ€ndig fort.
  • Zeigen Sie Humor, aber vermeiden Sie zuviel Ironie.


top

2. Klare Strukturierung des Lehr-Lernprozesses


Definition

Unterricht ist dann klar strukturiert, wenn ein „roter Faden“ fĂŒr alle Beteiligten jederzeit erkennbar ist.


Indikatoren

  • Die Unterrichtsstunde ist transparent in den Gesamtzusammenhang eingebunden.
  • Der grundsĂ€tzliche Verlauf der Stunde wird zu Beginn kurz erlĂ€utert.
  • Die einzelnen Unterrichtsschritte bauen logisch aufeinander auf.
  • Die Aktionsformen sind gut durchdacht und leiten zĂŒgig intensive Bewegungshandlungen ein.
  • Theorie und Praxis erfahren einen erkennbaren Implikationszusammenhang.
  • Alle benötigten Lernmaterialien werden rechtzeitig bereitgestellt.

RatschlÀge

  • Planen Sie Ihren Unterricht langfristig und binden Sie auch die SchĂŒlerInnen mit ein.
  • Überlegen Sie sich die Aktionsformen genau, sie sind Schaltstellen der Stunde.
  • BegrĂŒnden Sie Ihre methodischen Schritte, das macht die Handlungen verstĂ€ndlicher.
  • Sie die Stunde in der Abschlussreflexion dadurch ab, dass Sie noch einmal auf die wesentlichen Aspekte (Ziele) der Stunde eingehen.


top

3. Intensive Bewegungszeit mit kausalem Theorie-Praxis-Bezug


Definition

Sportunterricht ist in erster Linie Bewegungszeit. Diese muss dem Lernziel angemessen intensiv sein, aber auch kognitiv eingebunden werden.


Indikatoren

  • Die SchĂŒlerInnen mĂŒssen immer wissen, warum sie etwas tun.
  • Die Theoriezeit ist wichtig, sie darf jedoch nur so lange dauern, wie zur Vorbereitung der nĂ€chsten Bewegungsphase notwendig ist.
  • Möglichst alle SchĂŒlerInnen sollen gleichzeitig in Bewegungsformen eingebunden sein.
  • Theoriezeit ist auch Erholungszeit.

RatschlÀge

  • Schaffen Sie die zeitlichen und rĂ€umlichen Voraussetzungen fĂŒr intensive Bewegungshandlungen.
  • Lassen Sie die SchĂŒlerInnen in den Theoriephasen bequem Platz nehmen und sorgen Sie fĂŒr eine intime GesprĂ€chsatmosphĂ€re (alle mĂŒssen sich ansehen können).
  • Lassen Sie in den Theoriephasen vor allem die SchĂŒlerInnen zu Wort kommen; moderieren Sie geschickt.


top

4. Sachgerechter Organisationsrahmen


Definition

Ein Organisationsrahmen ist dann sachgerecht, wenn er
- den zur VerfĂŒgung stehenden Raum optimal nutzt,
- eine ĂŒbersichtliche Materialecke besitzt,
- alle Sicherheitsaspekte berĂŒcksichtigt,
- Gruppeneinteilungen ökonomisch gestaltet und
- Medien so einsetzt, dass sie den Lernprozess sinnvoll unterstĂŒtzen.


Indikatoren

  • Das Unterrichtsgeschehen lĂ€uft weitgehend reibungslos ab, es entstehen keine unnötigen Pausen.
  • UnfĂ€lle werden so weit wie möglich vermieden, Gefahrenstellen sind sachgerecht abgesichert.
  • Die eingesetzten Medien sind angemessen und in ihrer Anzahl nicht ĂŒberfrachtet.
  • Die Gruppeneinteilungen funktionieren schnell, wenn möglich ritualisiert.
  • Alle Anweisungen sind klar verstĂ€ndlich.
  • Der gesamte Raum wird von der Lerngruppe angemessen genutzt.

RatschlÀge

  • Setzen Sie Medien ein, die den Lernprozess sinnvoll unterstĂŒtzen; vermeiden Sie eine Überforderung/Überfrachtung.
  • Antizipieren Sie Gefahrenstellen und –momente; besprechen Sie diese mit den SchĂŒlerInnen.
  • Bilden Sie ĂŒberwiegend langfristige Gruppenkonstellationen, es sei denn, didaktische Überlegungen sprechen dagegen.
  • Nutzen Sie vereinbarte Rituale, das schont die Stimme und ist viel ökonomischer.
  • Beachten Sie den zur VerfĂŒgung stehenden Raum; je mehr Sie davon haben, desto grĂ¶ĂŸer wird der Bewegungsraum fĂŒr die SchĂŒlerInnen.


top

5. Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen


Definition

Die Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen sind dann stimmig, wenn sie in einem klaren Kausal- zusammenhang stehen. Wenn das vorher definierte Ziel erreicht wurde, war die Methode richtig.


Indikatoren

  • Die SchĂŒler machen das vom Lehrer formulierte Ziel zu ihrem eigenen.
  • Form follows function; das bedeutet: Erst muss das Ziel (die didaktische Funktion) klar sein, danach fĂ€llt die Entscheidung fĂŒr die Methode.
  • Am Ende der Stunde ist das Ziel von allen/vielen erreicht.

RatschlÀge

  • Bringen Sie das Ziel der Stunde mit dem Könnenstand der Lerngruppe in Übereinstimmung.
  • Die Ziele mĂŒssen erreichbar sein und einen angemessenen Reiz haben.
  • Reflektieren Sie am Ende der Stunde mit der Lerngruppe ĂŒber den Lernprozess.
  • Nutzen Sie die Erkenntnisse der Stunde fĂŒr die Planung der nĂ€chsten Einheit.


top

6. Methodenvielfalt


Definition

Methodenvielfalt liegt dann vor, wenn der Reichtum der verfĂŒgbaren Vermittlungstechniken sachdienlich genutzt wird. Die Entscheidung, welcher Vermittlungsansatz (induktiv oder deduktiv) gewĂ€hlt wird, hĂ€ngt von verschiedenen Faktoren ab (Sicherheitsaspekte, didaktische Intention, Alter und Fertigkeits-/ Wissensstand). Die Nutzung der Variationsbreite ist motivierend.


Indikatoren

  • Die Entscheidung zum Vermittlungsansatz ermöglicht eine klare Bewegungsvorstellung fĂŒr die SchĂŒlerInnen.
  • Die Notwendigkeit einer ganzheitlichen (optisch-dynamischen) Bewegungsvorstellung wird erkannt und umgesetzt.
  • Die methodischen Variationen sind der Sache und dem Lernprozess angemessen.

RatschlÀge

  • Probieren Sie vielfĂ€ltige methodische Möglichkeiten aus und reflektieren Sie deren Erfolge; nur so können Sie auf Dauer situationsgerecht entscheiden.
  • Bedenken Sie, dass die methodischen Entscheidungen einen didaktischen Bezug haben.


top

7. Individuelles Fördern


Definition

Individuelles Fördern ist dort gegeben, wo sich der Lehrer emotional dem SchĂŒler zuwendet, wo er Lerngegenstandsdiagnosen fĂŒr jeden SchĂŒler erstellt und durch innere Differenzierung auf die individuellen LernbedĂŒrfnisse und Interessen der SchĂŒler eingeht.


Indikatoren

  • Die methodischen Entscheidungen ermöglichen eine innere Differenzierung.
  • Der Organisationsrahmen ist auf die unterschiedlichen BedĂŒrfnisse der Lerngruppe abgestimmt.
  • Die Aktionsformen lassen eine Individualisierung erkennen.
  • Alle SchĂŒler werden ihren Fertigkeiten entsprechend angesprochen (z.B. in einem selbst gewĂ€hlten Stationenbetrieb).

RatschlÀge

  • Arrangieren Sie den Unterricht so, dass unterschiedliche Schwierigkeitsgrade entstehen.
  • Ermöglichen Sie Wiederholungen, Vertiefungen und Alternativen.
  • Beachten Sie, dass von Ihnen festgelegte Gruppierungen einer Differenzierung/Individualisierung entgegenstehen können.


top

8. RegelmĂ€ĂŸige Nutzung von SchĂŒler-Feedback


Definition

SchĂŒler-Feedback ist ein methodisch kontrolliertes Verfahren zur QualitĂ€tssicherung im Unterricht durch die regelmĂ€ĂŸige Nutzung von SchĂŒlerrĂŒckmeldungen zum Lernprozess und Lehrerverhalten.


Indikatoren

  • In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden werden schriftliche oder mĂŒndliche Feedback-Verfahren angewendet.
  • Es muss (nicht immer) auch eine anonyme Evaluation stattfinden.
  • Neben standardisierten Fragen muss auch Gelegenheit zur freien MeinungsĂ€ußerung gegeben sein.
  • Die angesprochenen Ergebnisse mĂŒssen konstruktiv verarbeitet werden.

RatschlÀge

  • Nutzen Sie Feedbacks regelmĂ€ĂŸig, z.B. einmal im Halbjahr oder nach jeder Unterrichtsreihe.
  • Sprechen Sie mit den SchĂŒlern offen ĂŒber die Ergebnisse.
  • Stellen nicht nur Sie die Fragen, sondern lassen auch die SchĂŒler entscheiden.


top

9. Förderung der SelbststÀndigkeit/HandlungsfÀhigkeit


Definition

Eine HandlungsfĂ€higkeit ist dann erreicht, wenn die SchĂŒlerInnen in der Lage sind, ohne Lenkung von außen ihr sportliches Handeln selbst zu arrangieren.


Indikatoren

  • Phasen des Unterrichts laufen auch ohne stĂ€ndiges Eingreifen des Lehrers ab (z.B. AufwĂ€rmarbeit, Aufbauarbeit, Spiele).
  • Der Beginn des Unterrichts ist weitgehend ritualisiert (Ablegen von Schmuck, Sammeln zur Besprechung, Aufbau von Arrangements).
  • Die SchĂŒler sind in der Lage, selbststĂ€ndig Gruppen nach festgelegten Kriterien zu bilden.
  • Spiele laufen auch ohne das stĂ€ndige Eingreifen des Lehrers regelgerecht ab.
  • Die SchĂŒler ĂŒbernehmen festgelegte Rollen und Aufgaben (Schiedsgericht, Beobachtungen, Helfen und Sichern, Organisieren).
  • Die methodischen Entscheidungen sind transparent.

RatschlÀge

  • SelbststĂ€ndigkeit unterliegt einem Lernprozess und muss deswegen methodisch erarbeitet werden.
  • SelbststĂ€ndigkeit muss auch geĂŒbt werden, indem die Kontrolle des Lehrers in ihrer IntensitĂ€t variiert.
  • SelbststĂ€ndigkeit heißt auch Verantwortung zu ĂŒbernehmen, darf aber die SchĂŒler nicht ĂŒberfordern; der Lehrer darf die SchĂŒler nicht sich selbst ĂŒberlassen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit von Ritualen (Handzeichen, Regeln, Reizwörter).


top

10. Klare Leistungserwartungen und –kontrollen


Definition

Leistungserwartungen sind verbale und nonverbale Mitteilungen und Vereinbarungen ĂŒber die Lernziele, die Aufgabenstellung und die Methoden des Unterrichts. Leistungskontrollen sind vom Lehrer vorgegebene oder zwischen Lehrer und SchĂŒler vereinbarte Verfahren der formellen und informellen Beurteilung des individuellen und kollektiven Lernfortschritts.


Indikatoren

  • Die Leistungsanforderungen werden klar formuliert, eventuell auch mit den SchĂŒlern gemeinsam erarbeitet.
  • Die Leistungen beziehen sich nicht nur auf motorische, sondern auch auf kognitive und sozial-affektive Dimensionen.

RatschlÀge

  • Besprechen Sie die Anforderungen zu Beginn einer Unterrichtsreihe.
  • Beobachten Sie das Verhalten und den Lernfortschritt auch wĂ€hrend der Unterrichtsreihe (unterrichtsbegleitende Verfahren) und bewerten Sie nicht nur zum Schluss (punktuelle Verfahren).
  • Stellen Sie die Leistungskontrollen nicht stĂ€ndig in den Mittelpunkt Ihres Unterrichts.


Sie können sich diesen Beitrag auch als pdf-Datei oder als Flash-Paper ansehen oder herunterladen, wenn Sie auf einen der nachfolgenden Links klicken:



Druckvorschau - Lesezeichen setzen - Zum Seitenanfang

Zugang zum Adminbereich
Alle Beiträge unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Autoren. Site © 2000 - 2019 by mnge.de
- Kontakt / Impressum - Nutzungsbedingungen / Datenschutz -
Unterstrichene Buchstaben(Zahlen) in Textlinks können direkt über die Kombination aus 'Alt'-Taste mit dem jeweils unterstrichenen Buchstaben per Tastatur ausgewählt werden.