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Foto: Dr. Lutz van Spankeren - Schulleiter der MNGE
Dr. Lutz van Spankeren
Liebe Besucherin, lieber Besucher der Homepage der Martin-Niemöller-Gesamtschule Bielefeld Schildesche,
im Folgenden geben wir Ihnen die Antrittsrede unseres neuen Schulleiters Dr. Lutz van Spankeren zur Kenntnis, die er im Frühjahr 2009 zu seiner Amtseinführung hielt. Er gehörte übrigens selbst zu den ersten Abiturienten dieser Schule.

„Ich habe mir vorgenommen in den ersten Wochen und Monaten nach meinem Amtsantritt nicht nur eigene Vorstellungen umzusetzen, sondern zuzuhören, bevor ich rede, Traditionen und Strukturen zu achten ohne sie unreflektiert fortzuschreiben und bestehende Ideen und Initiativen aufzugreifen.
Gute Schulen sind Systeme, die sich über längere Zeit entwickeln und verändern.
Die Martin-Niemöller-Gesamtschule hat sich als erste und bis heute größte Gesamtschule der Stadt Bielefeld und der Region seit knapp 40 Jahren diesem Prozess gestellt. Manches von dem, was ich in der reformeuphorischen Anfangsphase dieser Schule als Schüler erlebt habe, erscheint rückblickend eher fragwürdig, wenn nicht skurril. Sprachlabore waren Ausdruck einer Fremdsprachendidaktik, von der ich damals mit Freude wahrgenommen habe, dass Vokabeln lernen der Vergangenheit angehören solle.
Auch der Unterricht im Hörsaal mutet heute eher befremdlich an, selbst wenn die zwischenzeitliche „Verteufelung“ des Lehrervortrags mit der Durchsetzung aktueller Lerntheorien ihr Ende gefunden hat.
Gleichzeitig sind die hier stets geförderten Formen kooperativen und sozialen Lernens längst über alle Schulformen hinweg als Merkmale „guten Unterrichts“ anerkannt. Dies ist ohne Frage ein Verdienst der Schulform Gesamtschule, deren Innovationen bis heute und für die Zukunft gültige Standards gesetzt haben. „Individuelles Fördern“ ist seit ihrer Gründung Konzept dieser Schule. Untrennbar sind mit der Schulform Gesamtschule die Stichworte Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit verbunden. Dafür und für die gesellschaftspolitische Mündigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler hat die Martin-Niemöller-Gesamtschule immer gestritten und sich zuweilen auch als unbequem in der Bielefelder Schullandschaft erwiesen. Das mir präsenteste Beispiel ist das Mitte der siebziger Jahre selbst gestaltete Brettspiel „Populy“, das im Gesellschaftslehreunterricht zum Einsatz kam und die Bildungs- und Lebenschancen von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft thematisierte.
Das Spiel schlug hohe Wellen, wovon ich mich noch gestern bei der Durchsicht damaliger Zeitungsartikel überzeugen konnte. Es brachte der Schule den Vorwurf der Indoktrination und der Verbreitung klassenkämpferischen Denkens ein.
Neben allen, auch aus heutiger Sicht bestehenden Überzeichnungen, erinnere ich mich noch an eine Spielvorgabe etwa folgenden Inhalts:
„Du bist Kind eines Arztes – Rücke drei Felder vor“
Die Ergebnisse aller Pisa-Studien der letzten Jahre haben die Abhängigkeit von Bildungschancen und sozialer Herkunft so nachdrücklich festgestellt, dass die zitierte Spielanweisung heute kaum noch auf Kritik stoßen sollte. Vielmehr stellt die darin zum Ausdruck kommende Einsicht eine wesentliche Grundlage aktueller bildungspolitischer Überlegungen dar. Kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung, Berufsorientierung, Öffnung von Schule oder gemeinsamer Unterricht in Integrationsklassen sind Beispiele dafür, dass bildungspolitische Themen bis heute aufgegriffen und in die Schulentwicklung einbezogen werden.
Sowohl der Blick zurück als auch der in die Gegenwart bieten Anlass für alle an dieser Schule Tätigen selbstbewusst, aber nicht selbstgefällig nach vorne zu schauen.
Mit Selbstbewusstsein meine ich gerade heute, am Tag der ersten Abiturklausuren 2009, kritisch, aber nicht unzufrieden auf die erzielten Vorjahresergebnisse zu blicken.
Auch wenn die Gesamtschule gegenwärtig als „vierte“ Schulform neben der Dreigliedrigkeit etabliert ist, ist sie nach wie vor einer Skepsis und Kritik ausgesetzt, die weniger durch die Fakten selber als vielmehr durch deren oftmals parteiische Deutung gestützt wird. Wir haben es nicht nötig uns einreden zu lassen, dass ein Notendurchschnitt der Gymnasien im letztjährigen Abitur von 2,59 zu loben sei, der an den Gesamtschulen erzielte Schnitt von 2,87 hingegen nicht „tauge Schülerinnen und Schülern neue Chancen zu eröffnen“ – wie es öffentlich verlautete. Richtig ist vielmehr, dass die Arbeit dieser und anderer Gesamtschulen, deren Schülerschaft nicht ausschließlich aus dem Kreis der Besten in der Grundschule besteht, Kindern die Möglichkeit eröffnet, höhere Bildungsabschlüsse als prognostiziert zu erlangen ohne jene zu vernachlässigen, deren Bildungsziele von Anfang an im Abitur bestanden. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass es Schulen unterschiedlicher Schulformen auch in Zukunft gelingt im Interesse der Entwicklungschancen aller Kinder und Jugendlichen zusammen zu arbeiten und diese Anstrengung gegenüber allen Unterschieden überwiegt. Als Beispiel dafür rufe ich gerne die gemeinsamen Oberstufenleistungskurse mit der Marienschule im Fach Physik ins Bewusstsein.
In meinen bisherigen kurzen Begegnungen mit dem „Innenleben“ meiner neuen und - biographisch betrachtet - natürlich auch ehemaligen Schule bot sich mir das Bild großer Lebendigkeit, zahlreicher Ideen und mitunter konkurrierender Vorstellungen von pädagogischer Arbeit, methodisch-didaktischen Konzepten und Weichenstellungen zur Schul- und Unterrichtsorganisation. All dies so zusammen zu führen, dass vereinbarte Entwicklungsziele gemeinsam und beharrlich verfolgt werden, wird eine unserer wichtigsten innerschulischen Aufgaben sein. Eine zukunftsfähige Schulentwicklung ist meiner Wahrnehmung nach auch dadurch gekennzeichnet, dass sie ein klares Profil der Schule schärft und einen Prozess darstellt, in dem sich Verbindlichkeit und die Ausnutzung vorhandener Vielfalt nicht ausschließen. Eltern suchen die beste Schule für ihr Kind und vergleichen dabei Schulformen als auch einzelne Schulen.
Sich dieser Tatsache zu stellen erscheint mir für eine so große Gesamtschule wie unsere, die die Heterogenität der Schülerschaft stets als Bereicherung betrachtet hat, unverzichtbar. Differenzierte Leistungsanforderungen und individuelle Förderung sind Grundlagen unserer Arbeit. Sie weiter zu entwickeln und dabei praktische Erfahrungen einzubeziehen sowie Wünsche, Sorgen und Vorbehalte von Eltern, Schülern und Lehrern ernst zu nehmen, ist eine grundlegende Aufgabe der Schulentwicklung. Das eigene Angebot „nach außen“ glaubwürdig, überzeugend und nachdrücklich zu präsentieren ist eine weitere. Ich freue mich am heutigen Nachmittag über die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Schildescher Grundschulen und weiterführenden Bielefelder Schulen. Für die Zukunft wünsche ich mir mit Ihnen eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Schule soll und darf nicht nur „im eigenen Saft schmoren“. Erst die Kooperation mit außerschulischen Partnern, seien es Betriebe, Hochschulen oder soziale Einrichtungen eröffnet die Möglichkeit eines vielfältigen Bildungsangebots. Den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern danke ich für die bisherige Zusammenarbeit und ich freue mich auf deren Fortsetzung. Die Vorgaben und Entscheidungen des Schulträgers, der Stadt Bielefeld, und der Bezirksregierung beeinflussen den Erfolg schulischer Arbeit nachhaltig. Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren gut zusammenarbeiten und ich die notwendige Unterstützung erhalten werde. Aus gutem Grund stellt die Schulkonferenz, in der Eltern, Schüler und Lehrer vertreten sind, das höchste Entscheidungsgremium einer Schule dar. Alle drei Gruppen begegnen der Schule mit jeweils eigenen Erwartungen, verfügen über eigene Sichtweisen und Erfahrungen. Schulische Entwicklungsziele werden wir nur dann realisieren können, wenn wir gemeinsam darüber sprechen, vielleicht auch streiten und sie letztlich zusammen angehen. Zudem sollten wir uns vergegenwärtigen, dass wir stets „Botschafter“ dieser Schule sind:
  • Nichts drückt das Vertrauen in eine Schule deutlicher aus als die Entscheidung, das eigene Kind oder die eigenen Kinder anzumelden;
  • nichts bestätigt die Qualität schulischer Arbeit deutlicher als die Aussage: „Ich gehe gerne zu dieser Schule und ich lerne dort eine Menge“,
  • nichts könnte die berufliche Zufriedenheit deutlicher und glaubwürdiger zum Ausdruck bringen als die Feststellung: „Es ist nicht immer einfach, aber ich unterrichte und arbeite gerne an der Martin-Niemöller-Gesamtschule“
Die so verstandene Botschafterrolle anzunehmen und sich in diesem Sinne einzumischen und zu engagieren wünsche ich mir von Eltern, Schülern und euch als Kolleginnen und Kollegen.

Ich freue mich auf die vor uns liegenden Aufgaben, denen ich mit Respekt entgegen sehe.“

Dr. Lutz van Spankeren
(Schulleiter)

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