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Allegorie
Die Opfer
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Ideal - Realität
Nachfolger

Delacroix - Die Freiheit führt das Volk
Allegorie der Freiheit

Die Frauenfigur stellt eine Allegorie der Freiheit dar. Diese kann verschieden interpretiert werden - als romantisches Ideal des revolutionären Aufbruchs oder aber auch kritisch realistisch: Hier geht das "Ideal" über Leichen und damit wird die Frage nach den angemessenen Methoden gestellt, mit der dieses Ideal erreicht werden kann.

Marianne, Tricolore und Phrygische Mütze

Marianne ist die Nationalfigur der Französischen Republik. In der Französischen Revolution wurde Marianne - ein bis dahin lediglich weit verbreiteter Name - zum Symbol der Freiheit. Meist war sie mit der phrygischen Mütze bedeckt.
Während der Französischen Revolution wurde die Phrygische Mütze von den Jakobinern als politisches Bekenntnis getragen. Man glaubte damals angeblich, die phrygische Mütze sei von freigelassenen Sklaven getragen worden. Sie wurde in Frankreich und in ganz Europa in der bildenden Kunst in der politischen Ikonographie als Zeichen demokratischer und republikanischer Gesinnung beliebt. Auch republikanische Darstellungen des deutschen Michel aus der Revolution von 1848/49 zeigen diesen häufig mit Phrygischer Mütze.

Siehe auch: Sansculotte

Flintenweib oder Göttin?
Frauenbild

Heinrich Heine zum Bild:

Im Juli 1831 besuchte Heine mehrmals den "Salon", die Pariser Gemäldeausstellung im Louvre.
Am 31. Oktober 1831 erschien in Cottas 'Morgenblatt' Nr. 260 der Artikel über Delacroix, aus dem die folgenden Passagen genommen sind:


"Eine Volksgruppe während den Juliustagen ist dargestellt, und in der Mitte, beinahe wie eine allegorische Figur, ragt hervor ein jugendliches Weib, mit einer roten phrygischen Mütze auf dem Haupte, eine Flinte in der einen Hand und in der andern eine dreifarbige Fahne. Sie schreitet dahin über Leichen, zum Kampfe auffordernd, entblößt bis zur Hüfte, ein schöner, ungestümer Leib, das Gesicht ein kühnes Profil, frecher Schmerz in den Zügen, eine seltsame Mischung von Phryne, Poissarde und Freiheitsgöttin. Daß sie eigentlich letztere bedeuten solle, ist nicht ganz bestimmt ausgedrückt, diese Figur scheint vielmehr die wilde Volkskraft, die eine fatale Bürde abwirft, darzustellen. Ich kann nicht umhin, zu gestehen, diese Figur erinnert mich an jene peripatetischen Philosophinnen, an jene Schnelläuferinnen der Liebe oder Schnelliebende, die des Abends auf den Boulevards umherschwärmen; ich gestehe, daß der kleine Schornsteinkupido, der, mit einer Pistole in jeder Hand, neben dieser Gassenvenus steht, vielleicht nicht allein von Ruß beschmutzt ist; daß der Pantheonskandidat, der tot auf dem Boden liegt, vielleicht den Abend vorher mit Kontremarken des Theaters gehandelt; daß der Held, der mit seinem Schießgewehr hinstürmt, in seinem Gesichte die Galeere und in seinem häßlichen Rock gewiß noch den Duft des Assisenhofes trägt; - aber das ist es eben, ein großer Gedanke hat diese gemeinen Leute, diese Crapüle, geadelt und geheiligt und die entschlafene Würde in ihrer Seele wieder aufgeweckt.
            Heilige Julitage von Paris! Ihr werdet ewig Zeugnis geben von dem Uradel der Menschen, der nie ganz zerstört werden kann. Wer euch erlebt hat, der jammert nicht mehr auf den alten Gräbern, sondern freudig glaubt er jetzt an die Auferstehung der Völker. Heilige Julitage! Wie schön war die Sonne, und wie groß war das Volk von Paris! Die Götter im Himmel, die dem großen Kampfe zusahen, jauchzten vor Bewunderung, und sie wären gerne aufgestanden von ihren goldenen Stühlen und wären gerne zur Erde herabgestiegen, um Bürger zu werden von Paris!
  ...Auf keinem von allen Gemälden des Salons ist so sehr die Farbe eingeschlagen, wie auf Delacroix Julirevolution. Indessen, eben diese Abwesenheit von Firnis und Schimmer, dabei der Pulverdampf und Staub, der die Figuren wie graues Spinnweb bedeckt, das sonnengetrocknete Kolorit, das gleichsam nach einem Wassertropfen lechzt, all dies gibt dem Bilde eine Wahrheit, eine Wesenheit, eine Ursprünglichkeit, und man ahnt darin die wirkliche Physiognomie der Julitage.
Unter den Beschauern waren so manche, die damals entweder mitgestritten oder doch wenigstens zugesehen hatten, und diese konnten das Bild nicht genug rühmen. "Mâtin", rief ein Epicier, "diese gamins haben sich wie Riesen geschlagen!" Eine junge Dame meinte, auf dem Bilde fehle der polytechnische Schüler, wie man ihn sehe auf allen andern Darstellungen der Julirevolution, deren sehr viele, über vierzig Gemälde, ausgestellt waren.
"Papa!" rief eine kleine Karlistin, "wer ist die schmutzige Frau mit der roten Mütze?" . "Nun freilich", spöttelte der noble Papa mit einem süßlich zerquetschten Lächeln, "nun freilich, liebes Kind, mit der Reinheit der Lilien hat sie nichts zu schaffen. Es ist die Freiheitsgöttin." – "Papa, sie hat auch nicht einmal ein Hemd an." – "Eine wahre Freiheitsgöttin, liebes Kind, hat gewöhnlich kein Hemd, und ist daher sehr erbittert auf alle Leute, die weiße Wäsche tragen."  Bei diesen Worten zupfte der Mann seine Manschetten etwas tiefer über die langen müßigen Hände..."

(Text aus: Heinrich Heine, Sämtliche Schriften, Bd.5 Hanser Verlag München 1976, S. 39 – 41)

warum entblößt?

Phryne war eine berühmte griechische Hetäre aus Thespiä; sie hieß ursprünglich Mnesarete und erhielt den Namen Phryne ("Kröte") wegen ihrer Blässe; sie war erst eine arme Kapernhändlerin, gelangte dann aber in Athen zu außerordentlichem Reichtum, so dass sie sich erbieten konnte, die Mauern Thebens auf eigene Kosten wieder aufzubauen, wenn die Thebaner die Inschrift darauf setzten: "Alexander hat sie zerstört, die Hetäre Phryne wieder aufgebaut", was sie allerdings nie tat.

Sie galt in ihrer Blütezeit als die Repräsentantin der Göttin der Schönheit .

Angeblich soll niemand in der Lage gewesen sein, ihren Reizen zu widerstehen. Durch ihre Anmaßung, ihre Schönheit könne mit der der Aphrodite mithalten, wurde sie der Asebie (Gottlosigkeit) angeklagt. Diese Anklage gestaltete sich alsbald zu einem heftigen Skandal in ganz Athen. Der Legende nach soll Phryne vor einem Gericht (Areopag) ihre Bekleidung abgelegt und den Versammelten ihren nackten Körper als "Beweismittel" vorgebracht haben. Weiter berichtet die Sage, dass sie daraufhin freigesprochen wurde. Eine andere Version besagt, dass Phryne von ihrem Liebhaber, dem Politiker Hypereides, entkleidet wird und dann freigesprochen wird.

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religiöseVorbilder

Domenico Cresti (Il Passignano), Die Auferstehung, 1.Viertel 17.Jhdt.
Domenico Cresti (Il Passignano), Die Auferstehung, 1.Viertel 17.Jhdt.
Grünewald: Auferstehung
Mathis Neithart Gothart, genannt Grünewald, um 1512 - 1516 "Auferstehung"
Tafel des Isenheimer Altar

historische
Vorbilder
Jeanne d´Arc
Johanna von Orléans
(Jeanne d’Arc)
moderne Nachbilder

John Heartfield:
Die Freiheit selbst kämpft in ihren Reihen, 1936 anlässlich des spanischen Bürgerkriegs